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Konventionelle Seife ist ein ethisch und ökologisch verantwortungsloses Produkt.

Wenn Sie das nächste Mal im Supermarkt oder Drogeriemarkt sind, dann machen Sie sich doch mal den Spaß und schauen Sie auf die Inhaltsstoffe der handelsüblichen Seifenstücke (vorausgesetzt, Sie haben zufällig eine Lupe dabei). Bei den meisten werden Sie als ersten Inhaltsstoff (also dem, welcher den größten Anteil an der Gesamtmenge hat) Sodium Tallowate lesen. Und das ist nichts anderes als: Rinderfett!

Als weiteren sehr hohen Anteil werden sie bei fast jeder Seife „Sodium Palm Kernelate“ oder „Sodium Palmate“ oder „Sodium Palmitate“ lesen. Das ist: Palmöl!

Rinderfett in Seife

Wir können mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass dieses Rinderfett in kommerziellen Seifenstücken nicht von den Rindern stammt, die wir so hübsch auf den Weiden grasen sehen, wenn wir über Land fahren und schon gar nicht von artgerecht gehaltenen Bio-Rindern.

Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass es aus qualvoller Massentierhaltung und schlimmstenfalls aus Rinderfettimporten stammt. Denn dieses Rinderfett ist nicht deshalb in handelsüblicher Seife, weil es irgendeinen besonderen kosmetischen Wert hat oder gut riecht. Es ist einfach extrem billiges Fett, weil es ein Nebenprodukt des weltweit exzessiven Fleischkonsums ist.

Kein Pflanzenfett, noch nicht einmal Palmöl, ist so billig wie Rinderfett. Und es stinkt am wenigsten im Vergleich zu Schweine- oder Hühnerfett. Um den Tiergeruch von Rinderfett zu übertünchen braucht es nur ein paar wenige künstliche Duftstoffe in der Seife – aber dazu kommen wir später noch.

Ökologen reden sich den Mund fusselig, um der Welt klarzumachen, dass die Massen-Rinderhaltung in wirklich jeder Hinsicht unserem Planeten und unserem Klima schadet (ganz davon abgesehen, wie sehr sie dem einzelnen Rind schadet). Keine andere Fleischproduktion verbraucht so viele Ressourcen an Wasser, Land und Entsorgungstechnik. Unsere Äcker sind maßlos überdüngt, weil die Bauern nicht mehr wissen, wohin mit der ganzen Gülle

Wir brauchen nicht noch mehr Rinderhaltung, sondern sehr, sehr viel weniger. Und wir brauchen überhaupt kein Rinderfett, um eine gute, praktische Seife zu erzeugen!

Palmöl in Seife

Mit dem Palmöl verhält es sich ähnlich. Es ist das billigste Pflanzenfett, das man überhaupt bekommen kann. Und wie das mit billigen Produkten so ist, können sie nur über Ausbeutung und Umweltzerstörung gewonnen werden. Palmöl ist einer der martialischsten Rohstoffe, die unserer Erde abgepresst werden. Täglich werden dafür gigantische Flächen an Urwald gerodet und abgefackelt. Tiere, die dort leben, verbrennen oder müssen aus ihrem Lebensraum flüchten. Besonders der Orang Utan, unser engster Verwandter unter den Menschenaffen, verliert dabei seine Lebensgrundlage und tausende Orangs werden verletzt, traumatisiert und getötet.

Aber auch die Menschen in den Palmöl-Staaten werden ausgebeutet und auf den Palmenplantagen ungeschützt giftigen Pflanzenschutz-Chemikalien ausgesetzt. Palmöl ist das dreckigste und unethischste Geschäft, das man sich vorstellen kann.

Jeder, der nicht permanent den Kopf in den Sand steckt und dem nur ein Fitzelchen ethische und ökologische Verantwortung geblieben ist, dem ist klar, dass wir Produkte aus konventioneller Rinderhaltung und Palmölplantagen nicht haben wollen. Sie sind im wahrsten Wortsinne böse!

Der Rattenschwanz

Wenn wir uns nun bei unserer Supermarkt-Rinderfett-Palmöl-Seife die weiteren Zutaten anschauen, wird es auch nicht besser. Denn damit eine Seife aus so minderwertigen Rohstoffen irgendwie attraktiv wird, braucht es eine Menge Tricks und Chemie.

Neben Wasser kommt als nächstes auf der INCI-Liste meist Glyzerin. Mit jedem guten Pflanzenfett entsteht bei der Verseifung natürliches Glyzerin, das der Haut gut tut. Bei schlechten Fetten muss hier aber erst ein chemisch aus Tier- oder Pflanzenfett oder Mineralöl produziertes Glyzerin zugeführt werden. Es braucht sehr viel Energie, um Glyzerin künstlich zu gewinnen.

Nun ist es ja so, dass Rinderfett und Palmöl wirklich keine besonders hautfreundlichen Öle sind. Sie riechen nicht so angenehm und fühlen sich auch nicht so richtig gut auf der Haut an. Also müssen jetzt noch ein paar Stoffe in die Seife, die das vertuschen.

Zum Beispiel das Octyldodecanol, welches Sie auch auf der INCI-Liste Ihrer Massenseife finden. Octyldodecanol ist ein aus Erdöl gewonnenes Spreitmittel, d.h. dieser Zusatz verbessert das Gefühl der Seife auf der Haut. Die Bestandteile verteilen sich (spreiten) besser und so entsteht eine „cremige“ Haptik. Die Seife fühlt sich also cremiger an, obwohl das mit den Inhaltsstoffen oder der Qualität der Fette gar nichts zu tun hat.

Dann finden wir bei vielen industriell hergestellten Seifen noch:

Sodium Chloride – Kochsalz. Es wird in Seife eingesetzt, um die Viskosität der Seife zu verbessern, also auch um eine angenehmere Haptik zu erzeugen. Bei einer Seife, deren Inhaltsstoffe wir für diesen Artikel genauer angeschaut haben, wurde dieses Kochsalz sehr trickreich als „Seife mit Meeresmineralien“ beworben. Hut ab! Schicke Marketingidee! (Szene am Frühstückstisch: „Schatz, gibst du mir mal bitte den Meeresmineralien-Streuer rüber?“)

Sodium Thiosulfate – chemisch hergestelltes Konservierungsmittel
Disteardimonium Hectorite – Dimethylammoniumsalz, chemisch hergestelltes Konservierungsmittel

Warum braucht Seife Konservierungsmittel? Seife ist so alkalisch, dass da eigentlich kaum eine Mikrobe irgendeine Chance hat. Aber Seife kann ranzen, weil sie so viel Fett enthält. Vor allem ranzt sie, wenn das Fett minderwertig ist, oder sie zu lange oder falsch gelagert wird. Massenseife muss aber unter allen Umständen, Temperaturen, Feuchtigkeitsverhältnissen und Lagerzeiten immer gleich „frisch“ sein. Also: Konservierungsmittel rein. Wahrscheinlich ist unsere Haut schon zu Lebzeiten so gut konserviert, wie die einer Ägyptischen Mumie.

Tetrasodium EDTA – ein synthetischer Stoff, der Wasser enthärtet und damit die Schaummenge erhöht. Denn der Verbraucher will, dass Seife ordentlich schäumt. Blöd nur, dass EDTA die Eigenschaft hat, die Hautbarriere zu übertreten und auch noch sehr bindungsfreudig ist. Mit EDTA gelangen also alle möglichen chemischen Substanzen, die sich auf der Haut und in der Seife befinden IN unseren Körper. Toll! Aber Hauptsache es schäumt schön, denn das ist das Kaufkriterium.

Tetrasodium Etidronate – chemisch hergestellter Emulgator, Stabilisator, Verdickungsmittel. Der macht die Seife so schön steinhart, dass man damit jemanden erschlagen könnte. Harte Seife hält länger. Was eigentlich doof ist, denn wenn Seife ein halbes Jahr am Waschbeckenrand herumliegt, dann bekommt sie Risse, in die sich der Schmutz von den Händen setzt und dann sieht sie so schäbig aus, dass man sie wegschmeißt und ein neues Stück auspackt. Klasse! Sehr sparsam!

Limonene – chemisch gewonnener Duftstoff, Reinigungsmittel, Lösungsmittel
Linalool – Duftstoff, typischer „Seifenduft“, hautreizend
Butylphenyl Methylpropional – Duftstoff Lilial, fortpflanzungsschädigend im Tierversuch
Besonders Limonene und Linalool sind Duftstoffe, die wir alle von Kindheit an mit „sauber“ in Verbindung bringen. Die meisten Reinigungsprodukte weisen irgendeine Mischung dieser Düfte auf. Wenn eine Seife gar nichts von diesen Aromen enthält, wird sie meist skeptisch berochen. Unser Gehirn glaubt, dass sich die Qualität einer Seife über den Duft zeigt. Das macht sich die Industrie natürlich zunutze. Seifen ohne Duft werden vom Durchschnittsverbraucher unbewusst als „macht nicht sauber“ eingestuft. Dabei schaden alle Duftstoffe, Parfumöle und auch ätherische Öle der Haut und ganz besonders unseren Gewässern. Ja, ich weiß, ich bin ein Spaßverderber. Aber was meinen Sie, was künstliche Duftstoffe und konzentrierte ätherische Öle für Spaßverderber für Fische oder Wasservögel sind? Ganz abgesehen von Pflanzen und anderen Wasserlebewesen.

CI 77891 – Titandioxid, Chemieprodukt, ausschließlich dazu da, die Seife schneeweiß zu machen
CI 74160 – Kupferphthalocyanin, Chemieprodukt, blauer Farbstoff
Ja, die Farben sind ganz wichtig. Weiß muss die Seife mindestens sein. Weiß bedeutet sauber. Und Blau bedeutet auch sauber, weil Wasser ja blau ist. Ohne Farbstoffe ist Seife mehr oder weniger hell cremefarben (das Wort elfenbeinfarben bleibt einem heutzutage ja schon im Hals stecken). Reine Kokosseife ist natürlicherweise schneeweiß, aber Kokosöl ist viel zu teuer für Massenseife. Und eine cremefarbene Seife will der Ottonormalverbraucher nicht kaufen. Denn sein konditioniertes Gehirn spuckt ja bei nicht-Weiß sofort nicht-sauber aus.
Bei genauerer Betrachtung ist also dieses stubenreine, weißblaue, blitzsauber duftende Stück Seife einfach nur zum Kotzen! Die billigen Inhaltsstoffe beuten Lebewesen und Umwelt aus, verbrauchen für ihre Gewinnung ungeheure Mengen an Energie und Wasser und verschmutzen selbiges und die Luft.
Will ich mich damit waschen?
Nein!

Dabei ist die Alternative so einfach!

Ökologisch hochwertig gefertigte Seife braucht weder Tierfette noch Palmöl. Gute Pflanzenöle aus fairem Handel, die an sich schon der Haut sehr gut tun, werden mit Wasser, Bio-Ziegen- oder Schafmilch oder Bio-Kokoswasser, Bio-Mandelmilch, -Hafermilch, Tee oder was auch immer verseift. Und das war’s. Mehr ist da nicht drin.
Richtig gute Seife hat fast keinen Eigengeruch und das bisschen Duft, was sie natürlicherweise mitbringt, ist angenehm.
Ökologisch hochwertige Seife ist von sich aus fest, sie schäumt prima, weil sie aus natürlicherweise schäumenden Fetten besteht und sie fühlt sich auch toll auf der Haut an, ohne dass da irgendwelche Fake-Stoffe drin sind, die künstlich eine schöne Haptik erzeugen.
Und echte, gute Seife aus prima Pflanzenölen wird auch nicht schlecht, wenn man ordentlich damit umgeht.

Aber jetzt kommt das große Totschlagargument:

Die hier beispielhaft untersuchte Massenseife einer bekannten Kosmetikmarke kostet pro 100g 1,06 Euro. Eine Bio-Seife mit fair gehandelten Rohstoffen kostet pro 100g mindestens 6-8 Euro. *kreisch* „Das kann ich mir nicht leisten!“
Ach sooooooooo. Nee, klar DANNNNN – kaufen Sie doch einfach Seife mit gequältem, totem Rind und regenwaldzerstörendem Palmöl. Scheiß auf die Orang Utans! Klaaaaaar, mensch, versteh ich doch! Sparen geht echt über alles.
Moaaaaaaaaaah! Hallo? Aufwachen! Wir verbrauchen ja Seife nicht pfundweise!

Nein, im Ernst – nachhaltiges Leben und Einkaufen erscheint tatsächlich immer mal wieder erschreckend „teuer“. Aber es ist einfach eine Tatsache. Billig geht IMMER auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt. Eine traurige Tatsache unserer Zeit. Wir müssen alle damit leben. Und wir müssen uns alle überlegen, ob wir da mit unserem schwer verdienten Geld mitmachen.

Achtsamkeit

Nachhaltige Bio-Seifen werden hauptsächlich von handwerklichen Kleinunternehmen gefertigt. Solche Kleinunternehmen möchten beweisen, dass ein ethisch und ökologisch verantwortungsvolles Produkt marktfähig ist. Ihre Gewinnspanne ist – verglichen mit dem Hersteller der weißblauen „Meeresmineralien“-Seife – lächerlich. Aber sie machen weiter und sind auf die Unterstützung verantwortungsvoller Käufer angewiesen.

Wenn Sie eine gute Bio-Seife pfleglich behandeln, sie nicht im Wasser liegen lassen und sich bei jeder Benutzung achtsam über sie freuen, dann kommen Sie sehr lange mit einem Stück aus. Wir brauchen Seife ja hauptsächlich für kurzes Händewaschen, damit wir Krankheitserreger weder auf uns selbst, noch auf andere übertragen. Wir müssen uns nicht bei jedem Duschen (wie man es immer in der Werbung sieht) von Kopf bis Fuß einschäumen. Wir müssen nur dort mit Seife waschen, wo wir wirklich schmutzig sind und wo wir wirklich geschwitzt haben. Für 90% unseres Körpers brauchen wir nichts mehr als fließendes Wasser, um sauber zu werden. Seife ist kostbar. Und wenn wir auch so mit ihr umgehen, dann können wir uns alle ein faires Stück Bio-Seife und auch andere fair und bio produzierte Produkte leisten.

Wir haben es selbst in der Hand!