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Duftstoffe in Seifen

Warum unsere Bio-Seife nicht parfümiert ist

Alle Seifen von made in paradise sind frei von Farbstoffen und Parfum – und das hat gute Gründe!

Es würde sich ja allein schon für die vielen Menschen mit Neurodermitis, Schuppenflechte oder anderen Hautempfindlichkeiten lohnen, Seifen herzustellen, in denen nichts enthalten ist, was irgendwie die Haut unnötig reizt. Duft und Farbe tun aber nicht nur der Haut nicht gut, sie schädigen auch ganz erheblich die Umwelt.

Schauen wir uns das doch mal genauer an:

Duft hat einen natürlichen Zweck

In der Natur werden Aromastoffe dazu verwendet, Fressfeinde fern zu halten und vor schädlichen Mikroorganismen zu schützen. Das duftende Harz von Nadelbäumen wirkt zum Beispiel antimikrobiell, also desinfizierend. Es schützt den Baum bei Verletzungen davor, dass Pilze oder Bakterien über die Wunde eindringen. Tiere stoßen Duftsekrete aus, damit sie nicht von anderen Tieren gefressen werden.  

Außerdem werden Duftstoffe von Pflanzen und Tieren ausgeschieden, um bei der Fortpflanzung behilflich zu sein. Das Aroma soll bei Pflanzen die Insekten anlocken und bei Tieren den Partner.  

Duft löst Gefühle aus.

Weil wir aber den Duft von Blumen oder von Nadelbäumen und sogar in geringen Konzentrationen tierische Geruchsstoffe (wie zum Beispiel Moschus) als angenehm empfinden, handelt der Mensch schon sehr lange mit Parfum. Unser Gehirn verknüpft auch Emotionen ganz besonders eng mit gleichzeitig wahrgenommenen Gerüchen. Ein bestimmter Duft kann bei uns nicht nur eine bildhafte Erinnerung auslösen, sondern dazu auch die ganze Kaskade der Gefühle, die zu einer vergangenen Situation gehörten, in der wir diesen Duft wahrgenommen haben.  

Duft ist verkaufsfördernd.

Dieses Auslösen von Gefühlen durch Düfte hat sich die Industrie zunutze gemacht. Der Duft eines Produkts spielt Klavier auf unseren Emotionen. Wir werden regelrecht dazu erzogen, bestimmte Düfte mit Gefühlen von Entspannung, Sauberkeit, Luxus, Männlichkeit, Weiblichkeit, Kindheit und allen möglichen anderen Gefühlsmischungen zu verbinden.

Ein ganz bestimmter, künstlicher Erdbeergeruch erinnert lebhaft an eine spezielle Eis-Sorte, die wir als Kinder häufig gegessen haben und löst die dazugehörigen Gefühle von Sommerferien, Spaß und Unbeschwertheit aus.

Neue Autos werden ganz gezielt mit künstlichen Düften ausgestattet die wir mit Neuwertigkeit und Luxus assoziieren. Es gibt spezielle Duftdesigner nur für Fahrzeuge! Ganze Abteilungen in Kaufhäusern werden künstlich beduftet, damit es wahlweise nach Leder, nach frisch gewaschener Wäsche, nach Blumen oder Kuchen duftet. Mit Aromen lässt sich also sehr gut der Umsatz für alle möglichen Waren steigern.

Aromen in Reinigungsmitteln

Die meisten Menschen assoziieren zum Beispiel ein bestimmtes künstliches Aroma, nämlich Limonen (gesprochen: Limoneen), mit „sauber“. Es gibt kaum ein Reinigungsprodukt auf unserem Markt, das gar kein Limonen enthält. Dabei ist Limonen nur ganz schlecht biologisch abbaubar und sehr schädlich für alle Wasserorganismen, also alle Einzeller, Pflanzen und Tiere, die ihr Leben im Wasser verbringen. 

Reinigungsprodukte ohne Limonen verkaufen sich aber schlechter, weil der Verbraucher unbewusst den sauberen Duft vermisst. Auch wenn das Spüli oder Putzmittel nach Granatapfel oder Melone duftet, ist immer eine Spur Limonen enthalten, die unserem Gehirn „sauber“ signalisiert.

Wir sind alle auf Duft konditioniert.

Wenn ich zum Beispiel meine Bio-Seifen an einem Marktstand verkaufe, dann ist immer das Erste, was die Leute machen, eine Seife in die Hand zu nehmen und daran zu riechen. Wie dressiert läuft das Programm „Seife - Duft“ in ihren Gehirnen ab. Sie denken gar nicht darüber nach. Seife – Riechen! Die vermeintliche Güte einer Seife wird spontan über ihren Duft beurteilt. 

Bestimmt hast Du auch schon erlebt, dass sich manche Menschen so stark parfümieren, dass Du es als Zumutung empfindest. Man fragt sich, wie diese Person überhaupt noch atmen kann! Aber sie selber ist so sehr an den Duft ihres eigenen Parfums gewöhnt, dass sie immer mehr davon aufträgt, damit sie von sich die Wahrnehmung hat, „gut“ zu riechen. Tatsächlich ist unser olfaktorischer Sinn (Geruchssinn) so organisiert, dass wir Gerüche nur ungefähr drei Minuten lang bewusst wahrnehmen.  

Modedüfte

Unser Gehirn reagiert am besten auf neue Düfte. Deshalb möchten wir nicht nur duftende Seife, sondern stark duftende und immer anders duftende Seife. Daraus ergeben sich regelrechte Modedüfte. In meiner Kindheit hat zum Beispiel alles und jedes nach Apfel geduftet. Apfelshampoo war der totale Renner. Heute sind Düfte exotischer Früchte modern. Neue Duftmoden sind ein riesiger, gewinnbringender Markt. 

Abstumpfung der Sinnesorgane

Aber der Geruchssinn schaltet sich nicht nur nach drei Minuten desselben Duftes ab, er kann auch insgesamt abstumpfen. Nämlich dann, wenn er permanent mit sehr intensiven Wahrnehmungen beschickt wird. Die heutigen Reinigungsmittel und Kosmetika duften sehr intensiv. Unsere Sinne sind dafür eigentlich nicht geschaffen und versuchen, sich durch eine verminderte Duftwahrnehmung zu schützen. Und so kommt es, dass wir immer stärkere Geruchsreize benötigen, um Düfte überhaupt noch wahrzunehmen.  

Zum Glück lässt sich dieser Prozess auch wieder umkehren, wenn wir uns mit möglichst wenig parfümierten Substanzen umgeben.  

Aber ist denn ein bisschen Duft so schlimm?

Diese Frage stellt sich auf drei Ebenen: Was tun Aromen mit unserer Gesundheit, was tun sie in der Herstellung und was tun sie in der Entsorgung?

Gesundheit

Problematisch an den Inhaltsstoffen von Parfums sind (um nur ein paar Beispiele zu nennen):

  • Aldehyde. Sie wirken desinfizierend und konservierend. Sie sind äußerst gesundheitsschädlich und werden als hochkarzinogen (krebserregend) eingestuft.  
  • Moschus. Dieser Duftstoff ist ein Sekret vom männlichen Moschustier und wird in vielen Parfums als Basisnote eingesetzt. Moschus hat einen starken, wie Östrogen wirkenden Einfluss auf den Hormonhaushalt. Langfristig, bzw. in höheren Dosen kann sowohl natürliches als auch synthetisches Moschusöl Unfruchtbarkeit, Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Hodenkrebs verursachen.
  • Parfums haben sehr viele Inhaltsstoffe, unter denen sich Neurotoxine, Allergene, hautreizende Stoffe und asthmaauslösende Substanzen befinden.  
  • Analysen konventioneller Parfums zeigen, dass sie hunderte(!) von Neurotoxinen, Karzinogenen und synthetischen Verbindungen enthalten, welche in den Hormonhaushalt eingreifen und Geburtsfehler verursachen können.

Es gibt eine EU-Studie, die zeigt, dass ganz normale „Lufterfrischer“ wie sie in Badezimmern eingesetzt werden, das Hormonsystem beeinflussen: Junge Mädchen, in deren Badezimmern Lufterfrischer eingesetzt wurden, bekamen signifikant eher ihre erste Menstruation, als die Mädchen der Kontrollgruppe ohne Lufterfrischer. Das bedeutet, dass nur wenige Minuten täglich, denen wir bestimmten Aromen ausgesetzt sind, deutliche Veränderungen in unserem Hormonhaushalt verursachen! 

Die äußerst strengen, gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsprüfungen von Seifen und allen anderen Hygiene- und Kosmetikprodukten, beziehen sich in erster Linie auf die enthaltenen Duftstoffe, weil diese das meiste Krankheitspotenzial bergen.

Und natürliche ätherische Öle?

Auch natürliche ätherische Öle sind letztendlich hochkonzentrierte Pflanzenextrakte und haben toxische Wirkungen auf das zentrale Nervensystem, die Nieren und die Atemwege. Dabei sind natürlich die einen Pflanzen problematischer als andere.

Am giftigsten sind z.B. Kampfer (in vielen Sportsalben/Gels und eher frischen, männlichen Parfums enthalten), Eukalyptus- (Cineol) und Pfefferminzöl (Menthol). Etwas weniger giftig aber immer noch sehr bedenklich sind z.B. Terpentinöl, Orangen-/Zitronenschalen-, Teebaum- und Nelkenöl. „Natürlich“ bedeutet bei Duftstoffen nicht „gesund“ oder unschädlich! 

Wer seine Haut und die Entgiftungsfunktionen seines Körpers schonen will, sollte gar keine duftenden Kosmetika oder andere Produkte benutzen, die mit zusätzlichem Duft ausgestattet sind. Denn in konventionellen Cremes und Seifen sind Spreitmittel enthalten, die dafür sorgen, dass sich das Produkt besonders "cremig" anfühlt. Diese Spreitmittel haben aber die Eigenschaft, tief in die Haut eindringen zu können und dabei auch noch alle möglichen Stoffe aus dem Produkt mitzunehmen. Auf diesem Weg gelangen ätherische Öle und Parfüm in den Körper und damit in den Blutkreislauf

Wie schädlich sind konzentrierte Aromen in der Herstellung?

Die Herstellung künstlicher Aromen ist ein rein chemischer Prozess und bringt alle Umweltprobleme der chemischen Industrie mit sich, insbesondere die Verunreinigung von Abwasser mit Toxinen und einen hohen Energieverbrauch, also einen hohen CO2-Ausstoß.  

Auch die Gewinnung von natürlichen ätherischen Ölen ist angesichts der Verfassung unseres Planeten höchst fragwürdig. Diese Duftstoffe sind ja nichts anderes, als hochkonzentrierte Extrakte aus Pflanzen, die mittels Wasserdampfdestillation gewonnen werden.

Für einen Liter ätherisches Öl benötigt man zwischen 150 und mehreren Tausend(!) Kilogramm Pflanzenmaterial. Für einen Liter Rosenöl, zum Beispiel, benötigt man 5000 kg Blütenblätter. Es werden also riesige landwirtschaftliche Flächen inklusive Dünger, Unkrautvernichter, Schädlingsbekämpfungsmittel und Bewässerung benötigt, nur um das Rohmaterial für flüchtige Düfte zu gewinnen! Anschließend werden große Mengen CO2 ausgestoßen, um aus diesem Pflanzenmaterial den Extrakt, also das ätherische Öl herauszudestillieren.

Angesichts unserer drohenden Klimakatastrophe wären also Düfte, die ja bei den allermeisten Produkten der reine Luxus oder einfach nur verkaufsfördernd sind, das Erste worauf wir vollkommen problemlos verzichten könnten. Denn die Natur bietet uns ja weiterhin ganz wunderbare Dufterlebnisse.  

Und was Duftstoffe tierischen Ursprungs betrifft: Für die Gewinnung von Moschus werden in China Moschusfarmen betrieben, wo durch Ausschaben der Drüse am lebenden Tier jährlich etwa 10 Gramm Sekret pro Moschushirsch gewonnen werden.

Wie schädlich sind konzentrierte Aromen im Abwasser?

Düfte verwenden wir hauptsächlich dort, wo sie nach ihrer kurzen Einsatzzeit mit Wasser weggespült werden. Also beim Waschen von Wäsche, beim Putzen und bei der Körperpflege. Aromen werden also mit ungeheurem Aufwand hergestellt, wenige Sekunden oder Minuten benutzt und dann über das Wasser wieder entsorgt.

Auf Flaschen mit reinem Parfumöl oder ätherischem Öl finden sich immer die offiziellen Gefahrenzeichen für Gesundheit und für die Umwelt.

Das bedeutet, dass wir mit jedem Händewaschen, mit jedem Duschen dazu beitragen, dass Wasser mit Giften kontaminiert wird, welches Tieren und Pflanzen schadet. Und das alles nur, um ein sekundenlanges, flüchtiges Geruchserlebnis zu haben.  

Warum sind diese Stoffe überhaupt erlaubt?  

Sie gelten in den kleinen Mengen, die in Kosmetik- und Reinigungsprodukten enthalten sind, als relativ ungefährlich. Die Industrie übt bei solchen Einstufungen natürlich auch einen enormen Druck aus. Der Gesetzgeber kontrolliert nur die erlaubten Höchstkonzentrationen der einzelnen toxischen und allergenen Stoffe. Diese Höchstkonzentration liegt irgendwo knapp unterhalb der Vergiftungsgrenze. Dabei muss man sich aber auch die Frage stellen, wer all die Studien finanziert hat, die solche Vergiftungsgrenzen festlegen. Wenn man sich dann  noch überlegt, dass solche Studien an Tieren durchgeführt werden, sind Duftstoffe nur so zum Spaß eigentlich keine vertretbaren Substanzen.

Und die gesetzlich festgelegte Ungefährlichkeit gilt auch nur für den Menschen, der zum Beispiel eine Seife benutzt und das auch nur für das eine Mal, wo er Seife benutzt. Wenn wir jetzt überlegen, dass wir uns unser ganzes Leben lang täglich mit duftenden Substanzen umgeben, die unmittelbaren Hautkontakt haben, dass wir dauernd Aromen von Duftbäumchen, Kaufhausbeduftungen, anderen parfümierten Personen, Wasch- und Putzmitteln, Aromalampen, Cremes und Shampoos einatmen und über die Haut aufnehmen, dann müssen wir uns nicht mehr fragen, warum es so viele Allergien, neurologische Erkrankungen und Krebs gibt. 

Purer Luxus

Tatsächlich nehmen wir selber einen Duft nur maximal drei Minuten lang wahr, bevor unser olfaktorischer Sinn ihn adaptiert, also den Reiz nicht mehr ans Gehirn weiterleitet. Daher das Phänomen des Überparfümierens, weil wir uns so lange „eindieseln“, bis wir selber wieder den Duft des Parfums wahrnehmen können.

Das bedeutet, dass wir ein hohes Maß an Ressourcenverbrauch, Umweltschäden und Gesundheitsschäden in Kauf nehmen, um etwas drei Minuten lang zu riechen.
 
Leben ohne Parfum?

Ein Leben ohne parfümierte Produkte ist kein Mangel, sondern nach kurzer Gewöhnungszeit eine Bereicherung für unsere Sinne. Wenn unsere Wahrnehmung nicht dauernd mit Duftkanonen beschossen wird, können wir natürliche Düfte, die uns vorher entgangen sind, wieder sehr viel besser wahrnehmen und sie intensiv genießen. Das fällt ganz besonders in der Natur auf. Aber auch die Aromen frischer Lebensmittel oder eines guten Essens oder Weins verschaffen uns erhöhte Genusserlebnisse.

Die Vorstellung, dass ein unparfümierter Mensch nicht gut riecht ist vollkommener Unsinn. Nur über längere Zeit ungewaschene Menschen riechen unangenehm. Die Industrie versucht ständig, uns weiszumachen, dass Dinge, die nicht parfümiert sind, schlecht riechen. Aber frisch gewaschene Wäsche riecht wie frisch gewaschene Wäsche, nämlich fast gar nicht. Und gespültes Geschirr riecht auch nicht. Und warum sollten wir beim Putzen unseren Fußboden parfümieren?

Unsere Konsumwelt schreit uns gleichsam ständig mit intensivsten Geruchswahrnehmungen an. Das verursacht auch Stress. Alle besonders überzogenen Wahrnehmungen lösen in unserem Nervensystem Stress aus.  

Brauchen wir das?

Und brauchen wir das in Seife? Man hat ursprünglich damit begonnen, Seife zu parfümieren, weil sie aus tierischem Fett, also Schlachtabfällen, hergestellt wurde und dementsprechend übelriechend war. Unparfümierte Seife aus guten pflanzlichen Ölen duftet ganz, ganz leicht nach „sauber“. Dieser minimale Duft verliert sich nach dem Waschen fast sofort. Ein Mensch, der einfach nur sauber ist und nach sich selbst duftet ist etwas ganz Wunderbares!  

Handelt jetzt jeder, der duftende Seife verwendet, irgendwie verwerflich?

Nein, natürlich nicht! Als ich anfing, Seife zu machen, habe ich in Farben und Parfümölen regelrecht gebadet! Ich habe immer neue Parfümöle ausprobiert und Seifen in den herrlichsten Farben gemacht. Das waren richtige kleine Kunstwerke - fast zu schade zum Waschen! Ich habe immernoch Reste von Seifenparfum und Farbstoffen. Ab und zu mache ich damit für meinen privaten Gebrauch eine bunte, duftende Seife - denn ob ich die Reste jetzt direkt in die Mülltonne gebe oder noch verwende, macht auch keinen Unterschied.

Aber ich liebe ich inzwischen meine unparfümierten Seifen am meisten. Je weniger man sich mit künstlichen oder intensiven Parfums umgibt, desto feiner wird der Geruchssinn für natürliche Düfte. Für Blüten, für Nahrungsmittel und auch für die menschliche Haut. Intensive Düfte sind eigentlich auch nur so eine Konsumdroge. Aber das so zu empfinden und das Unparfümierte mehr zu genießen als diese künstliche Sinnesüberwältigung - das ist ein Weg, keine abrupte Entscheidung.