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Herkunft unseres Bio-Babassu-Öls

Die Quebradeiras vom Amazonas - Frauen schaffen Zukunft

Für die Seifen von made in paradise  verwenden wir Bio-Babassu-Öl aus Brasilien. Gerade in Zeiten des Klimawandels und der immer häufigeren Waldbrände (nicht nur am Amazonas) stellt sich die Frage: Woher kommt dieses Öl und ist seine Gewinnung und der Import überhaupt ethisch und ökologisch vertretbar?

Vorweg: Heimische Öle aus Mitteleuropa eignen sich nicht gut zur Seifenherstellung. Erschwingliche Öle, wie Sonnenblumen- oder Rapsöl, ranzen sehr schnell und machen die Seife weich, so dass sie extrem schnell verbraucht ist. Andere geeignete Öle, zum Beispiel aus heimischen Nüssen oder Samen, sind zudem noch extrem teuer und haben die gleichen Probleme mit Ranz und Weichheit. Wenn man keine tierischen Fette verwenden will, dann ist die Herstellung von Seife ohne exotische Fette kaum möglich, bzw. der Verkauf würde aufgrund des exorbitant hohen Preises und des schnellen Verfallsdatums nicht funktionieren.

Woher stammt also die Bio-Babassubutter, die wir verwenden?

Die Babassupalme ist Teil des originalen Urwalds im Amazonasbecken. Innerhalb des Urwalds kommt sie relativ selten vor, aber am Rand des Regenwalds, dem so genannten Sekundärwald, hält sich diese Baumart von selbst sehr zahlreich. Sie wächst auch häufig einzeln und wild auf Wiesen. Babassupalmen werden nicht angepflanzt. Sie säen sich immer wieder selbst aus.

Im Nordosten Brasiliens leben rund 400.000 Frauen von der Babassupalme.

Die Tradition der Babassunutzung ist schon sehr alt. Es gab sie schon, bevor die Portugiesen im 16. Jahrhundert nach Brasilien kamen und Sklaven aus Afrika ins Land brachten. Die Sklaven übernahmen von den Ureinwohnern die Technik, Babassunüsse zu knacken, um an den ölhaltigen Kern zu kommen. Dafür werden die steinharten Nüsse auf einer am Boden festgeklemmten Axt und einem Holzknüppel mit wenigen Schlägen geknackt. So machen es die Babassu-Frauen noch heute.

Das "Armenhaus" Brasiliens

Die Landstriche, in denen heute noch die Babassupalme wächst, sind gleichzeitig die ärmsten Regionen Brasiliens. Der Grund dafür liegt geschichtlich weit zurück: Die Portugiesen verschleppten während der Kolonialzeit an die vier Millionen afrikanische Sklaven in dieses Land. Brasilien schaffte, als letzter Staat der Welt, erst 1888 den Sklavenhandel ab.

Aber die ehemaligen Sklaven blieben völlig mittellos und auch ihre Nachkommen leben bis heute in Armut und werden ausgebeutet. Die Frauen, die tradtionell die Babassunüsse ernten, sorgten für ein minimales Einkommen ihrer Familien. Noch heute leben hunderttausende Frauen im Nordosten Brasiliens von den Babassu-Palmen, indem sie die herabgefallenen Nüsse von den wildwachsenden Bäumen aufsammeln.

Aus den Kernen gewinnen sie das wertvolle Öl, das gern von Kosmetikherstellern gekauft wird. Aus der Schale wird Holzkohle hergestellt. Eine Schicht zwischen beidem kann zu einem nahrhaften Mehl verarbeitet werden. Sogar die Wedel der Palme werden zu vielen Zwecken, wie zum Beispiel zum Verpacken von Lebensmitteln und zum Abdecken der Wohnhütten verwendet. Das "Armenhaus Brasiliens" lebt von der Babassu-Palme.

Rodung und Monokulturen

Aber diese Lebensgrundlage wurde und wird massiv bedroht: Die Wälder werden in großen Flächen gerodet, um Monokulturen von z.B. Teakholz, Soja, Bambus oder Eukalyptus anzupflanzen. Großgrundbesitzer verwehren den Quebradeiras, wie die Babassu-Frauen genannt werden, den Zutritt zu ihrem Land und verbieten ihnen, die Nüsse aufzusammeln. Sie wollen die jungen Nüsse als Tierfutter nutzen, oder direkt die ganzen Nüsse zu Holzkohle für den Export verarbeiten. Viele wollen die Babassupalmen gar nicht nutzen, aber trotzdem niemanden auf ihrem Land irgendetwas sammeln lassen. Dabei haben die Quebradeiras ganz offiziell das Recht, fremdes Land zu betreten, um Nüsse zu sammeln.

Ein Wald voller "Coringas"

Also fingen die Großgrundbesitzer an, die Palmen einfach zu fällen. Auch dieser Praktik wurde dann gesetzlich ein Riegel vorgeschoben, indem festgelegt wurde, wie viele Babassubäume pro Jahr maximal gefällt werden durften. Dieses Gesetz wurde aber wieder wirkungslos, weil immer gerade diejenigen Palmen gefällt wurden, die fruchtbar waren.

Denn die Babassupalme hat einen Lebenszyklus, der auch an das Leben einer Frau erinnert: Mit ca. 15-19 Jahren wird die Palme fruchtbar. Mit etwa 50 Jahren verliert sie ihre Fruchtbarkeit wieder. Diese nicht mehr fruchtenden Bäume werden "Coringa" genannt. Durch gezieltes Fällen der fruchtbaren Palmen, bestanden bald ganze Wälder nur noch aus Coringa, die den Sammlerinnen nichts mehr nutzten.

Illegale Brände vernichten den Regenwald

Der Kampf um die Rechte der Armen und die Interessen der Reichen geht bis heute weiter. Und hier liegt einer der Gründe für die verheerenden Waldbrände (nicht nur in 2019) im Amazonas: Es werden durch gezielte, illegale Brandstiftungen Flächen frei, die dann für weitere Monokulturen genutzt werden. Die Brände werden dann als schicksalhaft deklariert. Die Folgen für die arme Bevölkerung, für den Artenreichtum des Regenwaldes und für das Weltklima sind katastrophal.

Kooperativen für das Überleben von Mensch und Natur

Es gibt zum Glück immer mehr Kooperativen von Quebradeiras – mutigen, selbstbewussten Frauen, die weiter von der Babassupalme leben wollen und das mit Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen.

Das Bio-Babassu-Öl, mit dem wir bei made in paradise Seife herstellen, stammt aus der Region Maranhao und wird von der Organisation ASSEMA unterstützt. Der Verkauf dieses Öls sorgt für ein würdiges Leben von tausenden Familien und dafür, dass Frauen sich nicht von Männern und Arme sich nicht von Reichen bevormunden lassen müssen. Es sorgt für die Schulbildung der Kinder und nicht zuletzt für den Erhalt der Sekundärwälder am Amazonas, die eine schützende Übergangszone für den noch verbleibenden Urwald bilden.

Achtsamer Umgang mit einem wertvollen Produkt

Angesichts dieser vielen ethischen und ökologischen Gewinne, die der Kauf des importierten Bio-Babassu-Öls mit sich bringt, erscheint es uns vertretbar, den dafür aufgewendeten CO2-Ausstoß in Kauf zu nehmen. Unsere Bio-Seife spart dafür auf der anderen Seite wieder sehr viel CO2 ein, weil sie überhaupt keine Zusatzstoffe enthält.

Seife benötigen wir nur da, wo wir wirklich Schmutz und Geruch abwaschen wollen. Wenn wir ein wertvolles Stück Bio-Seife so achtsam einsetzen und sie nicht im Nassen liegen lassen, sondern in einer guten Seifenablage, dann schonen wir Ressourcen und auch den Geldbeutel und helfen gleichzeitig den Menschen in Brasilien und dem Schutz der Natur und des Klimas.

Wenn Du mehr über die Babassu-Frauen wissen möchtest:

Herkunft des von made in paradise verwendeten Bio-Babassu-Öls
ASSEMA – Vereinigung von Agrarreformsiedlungen in Maranhao
Ein Film über die Babassu-Frauen in Nordost-Brasilien