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Sinne und Wahrnehmung wiederentdecken

In der heutigen westlichen Welt ist unsere Sinneswahrnehmung durch standardisierte Konsumprodukte stark eingeschränkt. Die Wahrnehmung von Aussehen, Duft und Haptik ist das Ergebnis eines Lern- und Gewöhnungsprozesses. Wenn wir als Kinder lernen, dass Gesichtscreme weiß sein und genauso riechen muss wie eine Creme aus einer blauweißen Dose, dann fällt es uns später schwer, eine natürlich getönte Creme mit einem echten Blütenduft als genauso „gut“ zu empfinden.

Lebendige Lebensmittel

So verhält es sich mit den meisten unserer Konsumprodukte, vor allem im Lebensmittel- und Kosmetikbereich. Besonders so lebendige Lebensmittel wie Milchprodukte oder Wein werden vom Verbraucher kaum noch in ihrer Vielfalt wahrgenommen. Der Markt schreibt vor, dass tausende von Weinflaschen über Jahre einen Inhalt von exakt gleichem Geschmack liefern müssen. Und wir Verbraucher lernen so durch Gewohnheit, wie ein Wein sein muss, der uns „gut“ schmeckt. Probieren wir als Nicht-Weinkenner einen hervorragenden Burgunder oder Riesling, verziehen wir das Gesicht: der ist nicht standartkonform.

Einheitsgeschmack

Auch bei so wundervollen Produkten wie Käse hat sich ein Einheitsgeschmack herausgebildet. Dass Käse je nach milchlieferndem Tier, je nach dem Wetter einer Saison, je nach der wechselnden Zusammensetzung des Futters immer anders schmeckt – das nehmen wir so ohne weiteres nicht wahr, weil das eingeschweißte gelbe Stück im Supermarktregal rund ums Jahr exakt gleich schmeckt.
Wir können ja kaum noch anhand des Geschmacks verschiedene Apfelsorten unterscheiden.

Vielfalt der Naturprodukte

Und mit diesem Verlust an nuancierter Wahrnehmung geht die Vielfalt unserer Naturprodukte zugrunde. Wir wissen den Wert und das Wunder der natürlichen Rohstoffe nicht mehr zu schätzen. Uns wird suggeriert, dass nur ein immer gleich bleibendes Produkt „gut“ ist.

Aber das ist vollkommener Unsinn! Wer sich auf den Weg macht, seine Sinne wieder zu öffnen und sie lernen zu lassen, entdeckt ungeahnte Genüsse.

Und was hat das mit Seife zu tun?

Sehr viel!

Mindestens zwei der Hauptrohstoffe meiner Ziegenmilchseife sind reine, unbearbeitete Naturprodukte: Die Ziegenmilch und die Babassubutter. Diese Rohstoffe sind lebendig. Sie unterliegen Schwankungen, die durch die Natur bestimmt werden

Jede neue Charge Babassu wird von mir mit Spannung erwartet. Jedes Mal ist der charakteristische Babassuduft ein klein wenig anders: mal vanilliger, mal karamellig oder mehr nussig-herb.

Auch die Ziegenmilch verändert sich. Das erkenne ich daran, wie sich die Milch beim Verseifungsprozess verhält. Das Endprodukt Seife ist in Duft und Texturnuancen immer ein wenig anders. Je nach dem, ob ich die Seife im Sommer oder Winter hergestellt habe, kann sie heller, fast weiß oder eher transparent oder dunkler werden. Farbschwankungen haben dabei keinen Einfluss auf die Qualität der Seife. Sie ist ein lebendiges Produkt!

Keine Verschwendung

Normalerweise werden bei handgefertigten Seifenstücken aus rein optischen Gründen die Ecken begradigt und Unregelmäßigkeiten abgehobelt. Stücke mit kleinen Bruch-Kanten gehen erst gar nicht in den Verkauf. Es muss ja alles perfekt sein. Das Ergebnis dieses Vorgehens sind jede Menge Seifenabschnitte, die einfach in den Müll wandern. Dabei ist das alles gute, reine und funktionierende Seife! Und wenn das Stück erst einmal angewaschen ist, dann wird es von ganz alleine glatt. Diese Verschwendung von Rohstoffen mache ich nicht mit. Meine Quaderstücke gehen so in den Verkauf, wie sie aus der Form kommen. Nur die in Motivformen gegossenen Stücke sind meist so perfekt, dass ich sowieso nichts nachbessern muss.

Nuancen

Zu Beginn meiner Seifenproduktion  habe ich viele und intensive Parfümöle verwendet. Mit der Zeit kamen mir Zweifel. Parfümöl ist hochgradig wassertoxisch. Das bedeutet, dass wir mit jeder parfümierten Seife, mit jedem Händewaschen unser Wasser ein wenig mehr vergiften. Und das nur für den kurzen, buchstäblich flüchtigen Moment des Dufterlebnisses. Auch natürliche ätherische Öle sind wassertoxisch. Außerdem halten sie sich in Seife nur sehr kurz. Für unsere Haut sind Parfümöle auch nicht wirklich zuträglich.

Meine Seifen enthalten keinerlei zugesetzte Duftstoffe und haben entweder einen ganz zarten natürlichen Duft oder sind vollkommen duftneutral. Seife, wie sie natürlicher nicht sein kann.